Oberflächenbehandlung Holz: Schleifen und Wässern

Bei Schleifen gibt es unterschiedliche Vorlieben.
Ich bin ein absoluter Verfechter von „aalglatt“, damit besteht aber eben auch eine höhere Gefahr, dass der Harschmuck einfach mal aus der Frisur flutscht.
Deshalb kann ich auch sehr gut nachvollziehen dass anderen nur „glatt“ deutlich lieber ist.
Deshalb ganz einfach: Genug geschliffen ist, wenn sich das Holz für Dich glatt genug anfühlt.

 

Schleifpapier Körnungen

Vor dem Schleifen bringe ich das Werkstück mit Dremel und Feile in die richtige Form.
Beim Schleifen starte ich dann meist mit 120er Körnung und arbeite mich langsam zu den feineren Körnungen vor:

  • 120
  • 240
  • 400
  • 600
  • 1200
  • 2000

Zum Polieren benutze ich:

  • 1500-12000er Micromesh

Gröbere Körnungen (40er, 60er, 80er) benutze ich nur wenn es unbedingt nötig ist.
Z.B. wenn ich Material an Stellen abtragen muss, an die ich nur mit Schleifpapier heran komme.
Sehr grobe Körnungen können Spuren im Holz hinterlassen, die man auf den ersten Blick oft nicht wahr nimmt. Später lassen sie sich aber sehr schlecht beseitigen.

 

Schleifen

Generell gilt beim Schleifen: Immer Richtung Maserung schleifen, niemals quer zur Maserung.
Für die Hände ist es angenehmer wenn man das Schleifpapier um einen Schleifklotz wickelt.
Schleifklötze aus Kork gibt es in jedem gut sortierten Baumarkt.
Da mir diese Schleifklötze aber zu groß und unhandlich sind nehm ich meist ein kleines Klötzchen aus weichem Holz, an dem ich die Kanten etwas abgerundet habe.

 

Schleifpapier

Das verwendete Schleifpapier sollte eine vernünftige Qualität haben.
Es sollte scharf sein und nicht schon beim Anfassen oder darüber Kratzen mit dem Fingernagel die Körnung verlieren.

Abgesehen davon sind die unterschiedlichen Schleifpapiere eine Wissenschaft für sich. Schleifpapier gibt es:
– mit unterschiedlichen Schleifmitteln („Körnchen“: Flint, Korund (für Metall), …)
– mit unterschiedlichem Trägermaterial (dünnes Papier, reißfestes Papier, Leinen, dünn, dick, steif, flexibel, …)
– mit unterschiedlichen Bindemitteln (u.a. wasserlöslich oder wasserfest)

Günstiges Schleifpapier zerfledder bei mir recht schnell. Ich bevorzuge das von Bosch.
Für Schleifpapier mit dem ich Rundungen bearbeite nehm ich lieber Leinen/ Gewebe, weil es flexibler ist und nicht reißt.
Die Kategorisierung für Holz/ Metall/ Lack im Baumarkt ignorier ich einfach und geh nach folgender Periorisierung vor:
Gewünschte Körnung (120, 240, 400, 800, 1200, 2000) -> gibts das auch auf Gewebe (flexibler)? -> gibts das auch von Markenherstellern

 

Was passiert beim Wässern?

Wässern ist nicht zu verwechseln mit Nassschleifen (das macht man bei Metall damit es nicht zu heiß wird).
Durch den Kontakt mit Wasser werden zusammengedrückte Holzfasern (z.B. durchs Schleifen) wieder aufgerichtet.
Nach dem Trocknen können diese aufgestellten Fasern mit einem feinen, scharfen Schleifpapiers entfernt werden. Dazu sollte nach Möglichkeit ein frisches Stück Schleifpapier benutz werden, damit die Fasern tatsächlich entfernt und nicht nur umgeknickt werden.
Man streicht dazu mit dem Schleifpapier (ohne Druck) in Maserrichtung über das Holz.
Diesen Vorgang muss man je nach Holz 2-3 mal wiederholen, bis sich nach dem Wässern deutlich weniger Fasern aufstellen.

Achtung: Wirklich nur die aufgestellten Fasern entfernen, sonst kann man mit dem Wässern wieder von vorne beginne.
Im Idealfall sind die Fasern dann entfernt, beim Kontakt mit Wasser stellen sich fast keine neuen Fasern mehr auf.

 

Wie wird gewässert?

Zum Wässern wird ein Schwamm verwendet, mit dem das Werkstück gut angefeuchtet wird.
Überschüssiges Wasser muss sofort abgenommen werden, es darf kein Wasser auf dem Holz
stehen bleiben. Danach muss das Holz gut trocknen.

 

Wann wird gewässert?

Normalerweise Wässert man zwischen der vorletzen und der letzten Schleifdurchgang.
Allerdings gilt diese Regel eher für die Standard-Holz-Behandlung mit Schleifpapier bis Körnung 400. Dort wird dann zwischen Körnung 240 und 400 gewässert.
Wenn jetzt allerdings bis 2000 oder höher geschliffen wird, passt das Verhältniss von der Größe der aufgestellten Holzfasern zur Körnergröße des Schleifpapiers nicht mehr.
Bei Buchenholz z.B. stellen sich die Fasern sehr deutlich auf, das Holz fühlt sich nach dem Wässern richtig rau an. Das lässt sich dann auch nicht ohne Weiteres mit 12000er Schleifpapier entfernen.

Mein Tipp:
Nach dem Schleifgang mit Körnung 240 bzw. 400 macht ihr an einer kleinen Stelle einen Test, wie stark sich die Fasern aufstellen.
Stellen sie sich sehr stark auf, wässer ich nach der 400er bzw. 800er Körnung und mach das Finish mit 800er bzw 1200er Körnung. Mehr ist bei diesen Hölzern dann meist auch nicht möglich (z.B. Nussholz).
Stellen die Fasern sich nicht so stark auf, schleif ich bis 1200, wässere dann, entferne die aufgestellten Fasern mit 2000er Schleifpapier und poliere das Holz anschließend auf Hochglanz.
Dazu verwende ich Micromesh mit der Körnung 1600-12000 oder diverse Polierscheiben mit passender Polierpaste (die enthalten ebenfalls sehr feine Schleifpartikel)

 

Welche Hölzer muss man wässern?

Ich hab es noch nicht herausgefunden… meist mach ich während des Schleifvorgangs einfach einen kleinen Test.
Es gibt aber gewisse Anhaltspunkte:
Sehr feinporiges Harthölzer stellen wenig bis gar keine Fasern auf. Das sind dann auch die bevorzugten Hölzer für Kämme.
Z.B. Katalox, Bubinga, Amaranth, Ebenholz, Pfirsichholz, Buchsbaum, Palo Santo,…
Nussholz hingegen ist das andere Extrem, bei Feuchtigkeit werden sich die Fasern immer wieder aufstellen, es ist fast nicht glatt zu bekommen.

 

Finish

Ich mag es natürlich. Also entweder Wachs oder Öl.
Beides schützten das Holz vor Feuchtigkeit und machen es geschmeidig.
Öl feuert die natürliche Maserung deutlich an, das Holz wirkt nach dem Ölen meiste dunkler und lebendiger.
Wachs hingegen verhält sich etwas neutraler.

Hinweis:
Wird als Finish ein Lack auf Wasserbasis verwendet, können sich die Fasern wieder aufstellen.
Deshalb schleift man zwischen den Lackiervorgängen.

 

Dymondwood

Dymondwood muss nicht gewässert werden.
Durch das Kunstharz stellen sich dort keine Fasern auf. Dymondwood muss man auch nicht Wachsen oder Ölen.

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